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Entfällt!

 

Foto Theatersaal: Dorothea Heise

Foto Außenaufnahme: Jochen Quast

+++ „Etikettenschwindel“ – Junges Theater Göttingen erhält keine Förderung für Privattheater aus dem Fonds „Neustart Kultur – Privattheater“ +++

Das Junge Theater Göttingen ärgert sich über einen Etikettenschwindel bei den angekündigten Förderinstrumenten der Kulturstaatsministerin: „Neustart Kultur – Privattheater“.  

„Wieder fallen wir durch ein Förderprogramm, wieder stellen wir uns so langsam die Frage, ob wir als Theater auf den Ebenen der Verwaltungen und der Kulturpolitik überhaupt existieren. Und das mitten in der Pandemie. Wir sind es leid, ständig vollmundige Behauptungen von Hilfen in der Presse zu lesen und am Ende kommt nichts bei uns an“, so Intendant Nico Dietrich.

Zum Hintergrund: Das Junge Theater Göttingen, das beim Bühnenverein als Privattheater geführt wird, ist mehr als verärgert. Wieder werden Hilfen für Kultureinrichtungen durch das Kulturstaatsministerium vollmündig angekündigt und am Ende fallen das Theater und seine Künstler durchs Raster und das, obwohl für eine Förderung aller Privattheater ausreichend Geld bereitgestellt wird. Und das mitten in der Covid19-Krise, wo jede Unterstützung gebraucht wird. „Aus Sicht des Jungen Theaters Göttingen ist das Programm ein Etikettenschwindel“, so der Geschäftsführer des Theaters Tobias Sosinka.

Angekündigt wurden am 21. Oktober in einer Pressemitteilung der Kulturstaatsministerin Monika Grütters eine Hilfe, für die unter der Schließung leidenden Privattheater: „Mit bis zu 30 Millionen Euro unterstützt Kulturstaatsministerin Monika Grütters im Rahmen des Zukunftsprogramms NEUSTART KULTUR die mehr als 200 künstlerisch selbst produzierenden und Kunst vermittelnden Privattheater in Deutschland. […] Gefördert werden bis zu 80 Prozent der Ausgaben für das künstlerische Personal in der Spielzeit 2020/2021. Der Zuschuss kann maximal 140.000 Euro betragen. (Quelle: http://www.buehnenverein.de/de/presse/pressemeldungen.html?det=588 )

Nimmt man diese Pressemitteilung und die angekündigten Mittel wörtlich, so könnten bei 30 Millionen Euro Fördersumme ca. 214 Privattheater mit einer Maximalsumme von 140.000,- Euro gefördert werden. Die Mittel würden also mathematisch für mehr als alle Privattheater des Bühnenvereins reichen. Soweit die Theorie. Doch der Teufel steckt im Detail:

 „Voraussetzung für eine Förderung ist, dass die Antragstellenden nicht überwiegend öffentlich finanziert werden und einen regelmäßigen Spielbetrieb über mindestens zwei Spielzeiten vorweisen können oder in der Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins aufgeführt werden.“  

(Quelle: http://www.buehnenverein.de/de/presse/pressemeldungen.html?det=588 )

Das Junge Theater wird mit bescheidenen 743.000,- Euro von der Stadt Göttingen (680.000,- Euro), dem Landkreis Göttingen (55.000,- Euro) und dem Landschaftsverband Südniedersachsen (8.000,- Euro) gefördert und erhält keine Zuschüsse des Landes Niedersachsen. Die Gesamtförderung reicht nicht aus, um die niedrigen Löhne seiner Mitarbeiter*innen (NV- Bühne Privattheater) zu zahlen. Das gelingt nur weil das Theater seit 2014 sehr erfolgreich wirtschaftet. Pro Saison hat das Junge Theater im Mittel ca. 40.000 Besucher*innen im Abendspielplan und im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters. Insgesamt erwirtschaftet das Theater so beachtliche 40% seiner Einnahmen selbst. Doch das ist für eine Förderung für das Förderprogramm „Neustart Kultur – Privattheater“ nicht ausreichend.

Wie hoch genau der wirtschaftliche Eigenteil für das Förderprogramm sein muss, geht aus den Förderanträgen nicht hervor. „Das ist am Ende auch nicht wichtig“, so Intendant Nico Dietrich. „Uns ärgert einfach, dass via Presse suggeriert wird, dass den 200 Privattheater des Bühnenvereins schnell und unkompliziert zu einem Neustart verholfen wird. Dem ist aber nicht so. So fallen nach meinen Schätzungen mindestens 30 % der Privattheater aus dem Förderprogramm, obwohl ausreichend Geld vorhanden zu sein scheint. Wir sehen das Geld wieder an uns vorbeifließen, das wir dringend für die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes unserer Mitarbeiter*innen benötigen. Denn mit 60% unserer Löhne am JT können unser Mitarbeiter*innen nicht existieren. Wir gleichen auch die dadurch anfallenden Defizite für die Rentenkassen der Mitarbeiter*innen aus, und wir entschädigen unser Soloselbständigen. Wir brauchen jetzt klare Unterstützung und keine unnötigen verwaltungspolitischen Diskussionen. Politik und Verwaltungen müssen jetzt mal unkompliziert liefern und nicht nur in der Presse gut aussehen!“.

Makaber: Erst am 22.Oktober – als das Programm verkündet wurde – gab Intendant Nico Dietrich ein Statement bei NDR KULTUR, bei dem er sich nur Verhalten über die Ankündigung des Förderprogrammes „Neustart Kultur – Privattheater“ freute.

 „Ich will das Förderprogramm erst einmal lesen, ob wir antragsberechtigt sind. Der Teufel liegt im Verwaltungsdetail. Nachher wird wieder öffentlich viel Wind gemacht und am Ende sind wir gar nicht förderberechtigt.“

(Quelle: https://www.ndr.de/kultur/Finanzspritze-fuer-Privattheater-Reaktionen-aus-dem-Norden,privattheater106.html?fbclid=IwAR1ES1eEhJxr1Iyj5G1aCNvXymvT8zt-ZLYziFvOvutRpSPUHqyWxJHXzss)

Er sollte recht behalten.