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Amerika

von Franz Kafka

Der 15jährige Karl Rossmann hat einen unverzeihlichen Fehler gemacht.  Nun wird er von seinen Eltern verstoßen und fortgeschickt. Weg von zu Hause. In die Fremde. Nach Amerika. Er wird ausgewandert und muss in einer ihm unbekannten Welt neu beginnen. Ohne Geld, ohne Gepäck – auf sich allein gestellt. Auf der Suche nach Halt, einer Arbeitsstelle  und einem zu Hause begegnet er den verschiedensten Menschen - vom Konzernchef bis zur Prostituierten. Immer neue Jobs, immer neue Beziehungen, immer neue Orte.  Ein Stationendrama.  Jede Station bedeutet einen weiteren sozialen Abstieg.  Bis ihm am Ende das bizarre Theater von Oklahoma eine Stelle anbietet. Karl steigt in den Zug nach Oklahoma. Wird es eine Fahrt ins Paradies oder eine Deportation in die Hölle?

„Eine ‚Geschichte‘, die allerdings ins Endlose angelegt ist", nannte Kafka diesen Roman in einem Brief an Felice Bauer vom 11.November 1912. Im selben Brief nannte er auch den Titel des Ganzen: ,Der Verschollene‘ - die einzige authentische Titelformulierung für diesen Roman, der dann später unter dem Titel ,Amerika‘ berühmt wurde ... .

Zwischen Ende 1911 und August 1912  schrieb Kafka eine erste Fassung des Romans „Der Verschollene“, die unvollendet blieb und mit der er so unzufrieden war, dass er sie vollständig verwarf.

Am 25. September 1912 begann er von vorn. Kafka geriet in einen produktiven Rausch, der etwa 4 Monate anhielt: Trotz seiner beruflichen Verpflichtungen arbeitete er fast jede Nacht und vollendete sieben Kapitel des Verschollenen. Erst im Herbst 1914 nahm er das Manuskript noch einmal vor und verfasste das Kapitel über „Das Naturtheater von Oklahoma“. Danach machte er keine weiteren Anstrengungen mehr, den Roman zu vollenden.

Das Junge Theater wird aus Kafkas unvollendetem Roman eine eigene Fassung erstellen, die das Individuum inmitten von gesellschaftlichen Umbrüchen und Unwägbarkeiten in den Mittelpunkt stellen wird.

© Dorothea Heise


Besetzung

Inszenierung und Austattung Christian von Treskow

Komposition Fred Kerkmann

Dramaturgie Christian Vilmar

Mit Katharina Brehl, Agnes Giese, Jacqueline Sophie Mendel, Julian Dietz, Andreas Krüger, Jan Reinartz

Aufführungsdauer 100 Minuten


Premiere

7. September 2018


Pressestimmen

Als Zuschauer schwankt man zwischen Mitleid für den vom Pech verfolgten jungen Mann und Kopfschütteln über dessen sträfliche Naivität. […] Katharina Brehl gibt als Karl eine zerbrechliche wie starke Figur. Sie lässt ihn facettenreich mutig sein und verzweifelt, lässt ihn dem Glück hinterherrennen und immer wieder in den Auseinandersetzungen im Milieu den Kürzeren ziehen. […] Während Brehl mit unheimlicher Energie die Hauptrolle durchzieht, haben ihre fünf Mitspieler –Agnes Giese, Jacqueline Sophie Mendel, Julian Dietz, Andreas Krüger und Jan Reinartz – viel zu tun mit etlichen Rollenwechseln, die sie mit Bravour meistern und in etlichen Rollen Spaß machen. Die neuen Ensemblemitglieder – Mendel, Dietz und Krüger – haben damit schon mal eine gute Gelegenheit erhalten, sich gekonnt als verschiedene Typen zu beweisen. Mendel zieht die Register vom aufdringlichen Millionärstöchterlein bis zum ungelenken Engelchen. Regisseur Christian von Treskow hat den Kafka-Text mit Dramaturg Christian Vilmar auch bearbeitet und gelungen gestrafft. Auch das Bühnenbild stammt von Treskow – es ist so einfach und billig wie in seinem cleveren Einsatz unheimlich variabel. […] Es ist beeindruckend, wie es dem Ensemble durch die Regie Treskows gelingt, die komplexe Geschichte Kafkas ohne viele Requisiten dem Zuschauer sehenswert zu präsentieren. Mit der von Fred Kerkmann für die JT-Inszenierung komponierten Musik kommt ein weiteres Element hinzu, das die Geschehnisse musikalisch noch einmal verstärkt oder fein untermalt. „Amerika“ ist ein emotionales Theaterstück, das den Zuschauer mit dem jungen Karl mitfühlen lässt. […] Für die eindrucksvolle Leistung und die sehenswerte Inszenierung bedankte sich das Publikum der ersten Premiere der Spielzeit 2018/19 mit minutenlangem Applaus. (Max Brasch, Göttinger Tageblatt)

 

Göttingen. Regisseur von Treskow inszeniert sein Stück „Amerika“ auf der Grundlage eines unvollendeten Romans von Franz Kafka. Das Publikum zeigt sich begeistert. […] Schon beim Eintritt in den Theatersaal werden die Zuschauer neugierig gemacht. Ein großer transparenter Vorhang erlaubt Einblick ins Dahinter. Erst beim zweiten Blick zeigen sich Figuren – wie eingefroren in menschengroßen Quadern. Wir hören die Geschichte von Karl Rossmann. […] Eine eigene Form hat Christian von Treskow für das kafkaeske Romanfragment gefunden. In seiner Textfassung bringt er die Handlung auf den Punkt, malt die Stationen in treffenden Bildern. Allein mit den leicht bewegbaren, durchscheinenden Quadern schafft er die unzähligen Räume vom Schiffsbug über ein Stück Wegrand bis zum Hotel, wo Rossmann für kurze Zeit als Liftboy sein Auskommen findet. Wenn die Quader fallen, werden Zwänge übermächtig. Aneinandergereiht formen sie das Séparée für die ausgediente Sängerin Brunelda. Mit typisierenden Kostümen macht von Treskow es den Schauspielern leicht, von einer Rolle in die andere zu schlüpfen. Wie im Breakdance bewegen sich die Akteure, unterstützend trägt sie die Musik von Fred Kerkmann. Stimmungsvoll eingesetzt wird auch das Licht. Besonders eindrucksvoll ist das in der Szene, in der Brunelda gewaschen wird. Von Treskow hat dieses Romanfragment in seine Bühnenfassung aufgenommen. Wie hinter Milchglas sind die Aktionen zu erahnen. Mit Haut und Haar, so sprichwörtlich, haben sich Katharina Brehl, Agnes Giese und Jan Reinartz mit Jacqueline Sophie Mendel und Andreas Krüger, die neu ins Ensemble gekommen sind, und dem Gast Andreas Krüger auf die ungewöhnlich körperliche Form des Theaters eingelassen. Mit anhaltendem Applaus und Bravos belohnte das Publikum ihre Leistung. Fast schien die Eröffnung der nun letzten Spielzeit vor dem anstehenden Umbau des Theatergebäudes wie ein Wink, der zeigen soll, wie es in der Voigt-Realschule als Zwischenspielstätte (für zwei Jahre) und nach dem Umbau weitergehen kann. (Ute Lawrenz, HNA)

 

 

© Jochen Quast

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