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Judas

von Lot Vekemans

In Kooperation mit St. Johannis Göttingen

Wer war Judas? Seit fast 2000 Jahren gilt Judas als Verräter. Sein Name ist beschmutzt, geschmäht, gemieden. Er ist verkannt und verbannt. Doch jetzt tritt er auf. Verlangt Gehör. Nicht Rehabilitation, aber eine Gegendarstellung. Ein bisschen Wiedergutmachung. Er will seine Sicht der Dinge erzählen. Auf der Bühne. Als selbstinszenierte Show. Ein letzter Versuch, seine Tat auf das menschliche Maß zu reduzieren.


 

 

 

 

 

 

Wir lassen ihn auftreten. Und zwar nicht irgendwo im Theater, sondern an der Quelle: In der Sakristei, von der Kanzel, auf dem Altar. Ein Psychogramm des Verräters.

Der besondere Abend am 13. Oktober, 19 Uhr: Junges Theater trifft Kirche. Gespräch mit Schauspieler und Intendanz über Theaterarbeit in der Kirche vor und nach der Vorstellung. Der Eintritt für das Rahmenprogramm ist frei.

 

 

 

 

 

JUDAS

von Lot Vekemans

Deutsch von Eva Pieper udn Christine Bais

können Sie auch als eBook lesen. Alle Shops, die den Titel vorrätig haben, finden Sie unter

www.textbuehne.eu

 

 

 

 

 

 

 


Besetzung

Inszenierung Sebastian Sommer

Bühne und Kostüme Sonja Elena Schroeder

Musik Jan Brauer

Dramaturgie Christian Vilmar

Mit Jan Reinartz


Premiere

16. September 2017 in St. Johannis in Göttingen


Pressestimmen

Im Chorraum liegt Judas zusammengekrümmt auf einem eisernen Gestell zwischen zwei Gipsplatten. Jede Wand, jedes Fenster, jeder Stein um ihn erinnert an die Kreuzigung und damit an seinen Verrat. Der Judas von Jan Reinartz trägt schwarz: T-Shirt, Jackett, Hose und Anzugsschuhe. Aber weil in dieser Inszenierung des Jungen Theaters alles einen Sinn ergibt, scheuert Judas sich seinen Anzug im Laufe des Abends auf den Gipsplatten immer weißer. Er will seinen Namen wieder aussprechen können, der in manchen Ländern sogar verboten sei. Er muss es rauslassen: „Ich habe die Schuld auf mich genommen.“ Ab diesem Moment seines monologischen Rückblicks hat Judas spürbar den Dampf abgelassen, der seither in ihm waberte. Die Zuschauer sind so nah dran, dass sie mitfühlen müssen. Und Jan Reinartz tut alles dafür: Er krümmt sich eingezwängt in seinem Rahmen, in dem Bild, in dem er Jahrtausende lang feststeckte, in dem er kaum aufrecht sitzen kann, bekommt Nasenbluten, schreit „Kreuzige Jesus!“ durch das Kirchenschiff und kotzt auf den Steinboden. Verstohlen fragt man sich: Ist das erlaubt, in einem Gotteshaus? Reinartz Judas ist mal ein gebrochener Mann, mal durchströmt ihn die Selbsterkenntnis, mal ist er komisch und bläst eine Girlande von seiner Gipsplattform in die Luft. Am gelungensten sind die Momente, in denen er sich an sein Publikum richtet, auf Einzelne zeigt und die Frage nach Schuld und Wahrheit stellt. Auch das ist in einer Kirche zusätzlich bedeutsam. Die Technik rückt Judas ins passende Licht – immer mit einem Schatten vor dem erleuchteten Kirchenfenster mit dem gekreuzigten Jesus. Als Judas noch einmal fast mit Stolz seinen Namen sagt, erlischt seine Gestalt im Licht so langsam, wie eine Erinnerung an ein Treffen, von dem man später nicht mehr weiß, ob es wirklich stattgefunden hat. Langer Applaus. (Valerie Schaub, HNA)

 

Schauspieler Jan Reinartz spielt in der einstündigen Inszenierung diesen so zwiespältigen Judas, diesen Leidenden, der behauptet, keine Vergebung zu wollen. Der zu seiner Tat steht und stolz auf seinen Namen sein will, den seit 2000 Jahren kein Kind mehr trägt. Ihm gelingt es, seinem Judas viel Ambivalenz zu geben und ist damit ganz im Sinne der Autorin Vekemans unterwegs, der es eher um Fragen als um Antworten geht. Reinartz muss in diesem Bühnenbild sehr begrenzt und eingeengt agieren. Viel Körperlichkeit kann er nicht ausspielen in der Enge seines nachtodlichen Daseins. […] Eigentlich naheliegend ist die Idee des JT-Leitungsteams, diesen „Judas“ in einem Kirchenraum über sein wirklich ramponiertes Image räsonieren zu lassen. Mutig die Entscheidung der Kirchenoberen, ihr Gotteshaus dafür zur Verfügung zu stellen. Eine Produktion, die die 60. Spielzeit des JT schmückt. (Peter Krüger-Lenz, GT)

 

Ein großes Gestell dominiert den Altarraum in der St. Johanneskirche, wo Sebastian Sommer Lot Vekemanns „Judas“ Chronik inszenierte. Das Bühnenbild von Sonja Elena Schröder erinnert an einen Oberheadprojektor, in dem Jan Reinartz sich jetzt aus seinem beengenden Refugium wie aus einem Sarg heraus zu kämpfen scheint. Hier dominiert auch nicht die sakrale Atmosphäre, obwohl sie für diesen dramatischen Diskurs wie geschaffen anmutet, sondern das aufrührende Spiel einer Projektionsfigur. Die verlangt nach Lesarten, die sich nicht an die biblische Chronik halten, und demonstriert nun eine Selbstbefragung, in der mögliche Einsichten und mögliche Zweifel darüber ständig kollidieren. Lot Vekemanns Judas Psychogramm ist ein ungemein vielschichtiger Text, der im Grunde keiner szenischen Effekte bedarf. In Sebastian Sommers Inszenierung wird er immer wieder musikalisch aufgeladen, mit tragischen Streichersounds, Orgelklängen und auch mit dem Choral „Jesu, meine Freude“, die die Essenz des Stückes eher plakativ durchdringen. Effektvoll ist natürlich auch die Wirkung, wenn das Altarfenster mit dem Motiv des gekreuzigten Jesus den dunklen Altarraum erhellt. Aber braucht es wirklich diese visuelle Dramatik, wenn sich Jan Reinartz sich vorübergehend aus der räumlichen Umklammerung befreit und sich sein Judas zu einer weiteren Provokation durchringt? Dass nämlich er für die Sünden der Menschen gestorben sei und sein Verrat ein Akt des Widerstandes gegen einen Glauben, der in tödlicher Demut endet statt im aktiven Handeln für ein humanes Miteinander. Die Fragen nach Schuld, Reue, Sühne und Vergebung rumoren weiter in dieser Figur, die keine Rehabilitation erwartet sondern eine Verständigung mit seinem Schicksal In diesem Sinne bewegt dieser Theaterabend nachhaltig. Auch in der schmerzhafte Leidenschaft, mit der Jan Reinartz seinen Judas bestärkt, sich nicht nur dem Verrat zu stellen sondern auch dem Gefühl, dabei auch verraten worden zu sein, ohne jemals Trost zu finden. (Tina Fiebiger, Kulturbüro Göttingen)

© Jochen Quast

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