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Urfaust

von Johann Wolfgang Goethe

Das Fragment des noch jungen Stürmer und Drängers Goethe wählte das Junge Theater vor 60 Jahren als erstes Stück zur Gründung des Hauses.

Unter der Regie von Nico Dietrich spielt das Junge Theater in dieser Spielzeit erstmals wieder einen „Urfaust“.




 

 

 

 

 

Faust hat gelernt, studiert. Der Akademiker strotzt vor Wissen und giert nach Erkenntnis. Er lebt in einer anderen Welt und scheint am Ziel doch unzufrieden. Er beschwört spirituelle Mächte, paktiert mit Mephisto und begibt sich mit ihm auf eine unbestimmte Reise in die wirkliche Welt. Er feiert mit Studenten in Leipzig und steigt hinab in die Niederungen der Zivilisation. Dort trifft er auf Gretchen und erlebt mit ihr endlich auch körperliche Liebe.

 

 

 

 

 

 

 

 

© Dorothea Heise


Besetzung

Inszenierung Nico Dietrich

Bühne und Kostüme Susanne Ruppert

Komposition Simon Gordeev / Leo Auri

Video Reimar de Chevallerie

Dramaturgie Christian Vilmar

Mit Katharina Brehl, Agnes Giese, Peter Christoph Grünberg, Franziska Lather, Ole Pampuch, Karsten Zinser


Premiere

9. September 2017

Pressestimmen

Bravo-Rufe und begeisterten Applaus haben Schauspieler und Regieteam im Jungen Theater Göttingen für den „Urfaust“ bekommen. […] Wie ein Zuhälter kommt Mephisto mit nacktem Oberkörper unterm Mantel mit Pelzkragen daher. Kein Wunder, dass er für Faust - im Anzug in Konventionen eingebunden - eine unglaubliche Verlockung bedeutet. In einer Gesellschaft voller strikter Regeln verführt er den asketischen Gelehrten, seinen Trieben nachzugeben und die Sanktionen, die dann drohen, zunächst blind außer Acht zu lassen. Für sein Spiel auf allen Registern der Verführung heimst Peter Christoph Grünberg als Mephisto sogar Szenenapplaus ein. [...] Unglaubliches gelingt Katharina Brehl als Gretchen. Vom ahnungslosen, naiven, braven Mädchen verwandelt sie sich in die leidenschaftliche Frau, die Faust komplett in ihren Bann schlägt. Doch sie bleibt ihrem Glauben verhaftet. Dieser Zwiespalt treibt sie bis zum Verzweiflungs-Mord. Mit jeder Faser ihres Körpers ist ihr Gretchen im Kerker dem Wahnsinn verhaftet. […] Es ist ein dichter, ein starker Abend. Nach knapp zwei Stunden ohne Pause ist das Drama zu Ende, so entwickelt sich ein starker Sog in die Geschichte. Vielleicht stellt sich bei manchem das Gefühl ein, das Drama tatsächlich mitzuerleben. Ein großer Wurf, den Nico Dietrich mit der Neuinszenierung des „Urfaust“ gewagt hat. Mit seinem Team hat er die Herausforderung gewonnen.  (Ute Lawrenz, HNA)

 

 

Regisseur Dietrich hat seinen Blick auf Goethes „Urfaust“ mit Attributen der Gegenwart gespickt, aber nicht überfrachtet. Gut gestrafft geht der Klassiker in 105 Minuten und ohne Pause über die Bühne. Weltfremd und herausfordernd kommt auch Karsten Zinser als schlaksiger Faust nicht voran: an der Wissenschaft verzweifelnd und gegenüber den Mitmenschen überheblich. Zinser spielt überzeugend den Getriebenen, der blindlings in die Gefahr rennt, stürmt, drängt. Fordernd stellt er sich dem Teufel gegenüber, der mal verzweifelt, mal berechnend sein Spiel treibt: Teuflisch gut im Lammfellmantel und in Schlangenleder-Schnürern ist Peter Christoph Grünberg der ansehnliche Lucifer. Seine teuflischen Gesten, sein schmierig exaltiertes Gehabe sind absolut sehenswert. So wie Dietrich auf den Punkt inszenierte, hat Susanne Ruppert für Bühnenbild und Kostüme auf Allzweckmittel wie Kanister, die Mauern, Möbel, Hexentanzplatz oder Altar sind, gesetzt und die Charaktere so unterschiedlich wie passend kostümiert. So trifft der mit Rollenkoffer und im Dreiteiler mit dem Teufel auf Reisen gehende Faust auf feiernde Ballermänner (Franziska Lather, Agnes Giese und Ole Pampuch geben die weiteren Figuren, die eine Faust-Inszenierung braucht). Und so reist der Faust von heute durch die Welt, weit weg von Auerbachs Keller in Leipzig, den einst Goethe bemühte. Das Gretchen bleibt unschuldig anzusehen wie eh und je: Katharina Brehl ist sittsam und keck, verzweifelt und wahnsinnig. Wandlungsfähig wie ihr vom Teufel beeinflusstes Schicksal stellt Brehl vom unschuldigen Mädchen im Kittel bis zur geläuterten jungen Frau an der Kerkerkette all das dar. […] Die Inszenierung von Nico Dietrich [kombiniert] im Jungen Theater den Text des altbewährten Dramas mit sehenswertem Schauspiel. Am Premierenabend erhielten Schauspieler und Regisseur dafür minutenlangen Applaus. (Angela Brünjes, GT)

 

 

Auf der Bühne des Jungen Theaters sieht man vor allem Plastikkanister, nebeneinander, gestapelt. Im Hintergrund liegen Mülltüten. Ein großer Plastikvorhang dient als Bühnenelement zum Szenenwechsel. Und hier soll der Faust spielen? Dieses bedeutendste, meistzitierte Werk der deutschen Literatur – gespielt in einem Haufen Müll? Was soll das? Dieser Frage geht Intendant Nico Dietrich mit seinem „Urfaust“ auf den Grund. Mit dem Bühnenbild lässt er Susanne Ruppert ein eher apokalyptisches Bild zeichnen. […] Goethes „Urfaust“ ist der Sturm- und Drangzeit zuzuordnen. Das nimmt auch Dietrich auf. Er entwickelt ein dystopisches Drama daraus. Die Menschen leben auf den Resten der Zivilisation, nämlich zwischen den Müllbergen. Und sie suchen sich einen Weg aus der an sich ausweglosen Situation. Da kommt dem gelehrten Doktor Faustus der Mephisto gerade recht: mit ihm kann er vor allem sich selber retten. Also stürmen und drängen beide los, dass es eine Wonne ist. Vor allem Peter Christoph Grünberg kann als Mephisto überzeugen: mit immenser Spielfreude reißt er seinen Kollegen Karsten Zinser als Faust einfach mit. Der stolpert mehr oder weniger der Margarethe in die Arme, sieht und nutzt seine Chance und reißt das Gretchen ins Verderben. Katharina Brehl als Gretchen ist die Entdeckung des Abends: in der Vorsaison noch als Gast auf der Bühne des Jungen Theaters (u.a. „Tschernobyl“, „Bezahlt wird nicht“) glänzt sie hier mit einer großen Rolle. Und macht daraus eine ganz große Rolle. Man nimmt ihr das fromme Mädchen ab, das seinem Verehrer die eigentliche „Gretchenfrage“ stellt: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ Und genauso überzeugt sie als die verliebte junge Frau. Und ganz besonders überzeugte Brehl am Ende des Stückes, als sie dem Wahnsinn verfallen ist. Ganz großes Theater von der jungen Schauspielerin! […] Zum Gelingen dieses Abends tragen auch Franziska Lather (Brandner, Marthe, Lieschen), Agnes Giese (Wagner, Siebel, Böser Geist), Ole Pampuch (Student, Frosch, Valentin) und Jan Reinartz (Erdgeist) bei. Am Ende entwickelt sich Goethes Drama durchaus einem unterhaltsamen Bühnenstück – sehr angemessen zum 60. Geburtstag des Theaters. Schließlich war es in der Geschichte des Hauses keineswegs immer klar, dass es diesen Geburtstag überhaupt erleben kann. (Jens Wortmann, Kulturbüro Göttingen)

 

 

© Jochen Quast

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