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Wir sind keine Barbaren!

von Philipp Löhle

 

 

Wenn das Fremde in Person eines mysteriösen Flüchtlings vor der Tür steht, gerät die Welt des durchschnittlichen Wohlstandsbürgers aus den Fugen – mit tödlichen Folgen. Idyllische Klänge läuten das Stück ein: Ein Heimatchor, der im weiteren Verlauf immer wieder in trauter Eintracht die Stimme erhebt, besingt eine Gemeinschaft, in der das WIR großgeschrieben wird. WIR sind alle gleich, werden 73 Jahre alt und haben mindestens drei Hobbys. WIR sind in diesem Fall Barbara und Mario und deren neue Nachbarn Linda und Paul. Auch wenn das erste Kennenlernen mehr als holprig verläuft, finden die beiden Pärchen doch ausreichend gemeinsame Interessen – Flachbildschirme für die Männer, Yoga für die Frauen –, um eine höfliche Freundschaft zu pflegen.

 

 

Doch als eines Nachts ein Fremder auftaucht, dem Barbara kurzerhand Asyl in ihrer Wohnung gewährt, ist es mit den Höflichkeiten vorbei. Schon was Namen und Herkunft des Flüchtlings betrifft, kann man sich nicht einigen. Er heißt entweder Klint oder Bobo und kommt aus Asien oder Afrika. Jedenfalls hat er Schreckliches durchgemacht, was doch zu uneingeschränkter Hilfsbereitschaft verpflichten sollte. Oder stellt er eine Bedrohung dar? Oder vielmehr eine exotische Verlockung? Noch bevor darüber endgültig entschieden werden kann, verschwinden Barbara und der Mann. Und der Heimatchor hat sein Urteil bereits gefällt.

© Dorothea Heise


Besetzung

Inszenierung Tobias Sosinka

Bühne und Kostüme Susanne Ruppert

Dramaturgie Nico Dietrich

Mit Linda Elsner, Agnes Giese, Peter Christoph Scholz, Karsten Zinser 

Heimatchor  Anna Sabrina Friedrich, Yonca Göçer, Katrin Knieling, Luisa Schinkel, Emma Schisler , Gudrun Voss,  Winfried Binder, Jörg Bauer, Tom Scherer

Aufführungsdauer 1 Stunde 30 Minuten


Premiere

12. März 2016



Pressestimmen

„Sehr lustig und sehr ernst hat Tobias Sosinka „Wir sind keine Barbaren!“ am Jungen Theater Göttingen inszeniert. Die vier Schauspieler überzeugen in der übertriebenen Darstellung der Protagonisten. Besonders Scholz brilliert als oberflächlicher Dümmling und sorgt für einige Lacher.“ (Jorid Engler, Göttinger Tageblatt)

 „Agnes Giese brilliert in dieser Rolle in einer Mischung aus resignierter Frustration, noch wachen Wünschen und übersteigertem Gutmenschentum. Karsten Zinser ist als ihr Ehemann ein das Leben hinnehmender, freundlicher Zeitgenosse, jedoch blind für die Wünsche seiner Frau. Linda, die quirlige Fitnesstrainerin (wunderbar: Linda Elsner, mit gymnastischen Übungen ständig in Bewegung) und ihr immer am Spaßlimit agierender Ehemann Paul (herrlich hyperaktiv: Peter Christoph Scholz) leben völlig egozentrisch und reagieren mit massiver Abwehr auf den im Haus aufgenommenen Flüchtling. … Zusätzliches Dynamit erhält die Aufführung durch einen mehrfach auftretenden, aus neun Laienspielern bestehenden Chor. Mit aggressiver Wucht skandierend beschwört er das „Wir-Gefühl“ („Wir sind das vollkommene Volk“, „Wir sind reich“, „Wir haben Angst“) und steigert damit die vermeintliche Volksstimmung nahezu ins Unheimliche. Tobias Sosinka hat das über fast zwei Stunden gehende Stück mit Schnelligkeit und großem Spannungsbogen inszeniert. Auch wenn die köstlichen Dialoge gefahrlos hier und da hätten gekürzt werden können, war es ein nicht nur unterhaltsamer, sondern auch abwechslungsreicher und aufrüttelnder Theaterabend.“ (Carmen Barann, HNA)

"Langer, sehr verdienter Applaus für die Premiere. Ein abwechslungsreicher, kurzweiliger Abend, der zum Nachdenken und Diskutieren anregt!" (Dajana, Zehler, Kulturbüro)

"WIR SIND KEINE BARBAREN von Philipp Löhle kann beides: Den Zuschauer zum Lachen, aber auch zum Nachdenken bringen - und das sogar gleich gut. Die Komödie, die in der Inszenierung von Tobias Sosinka den Weg ins Junge Theater fand, berührt in jedem Fall, denn der Umgang mit dem Fremden ist Dauerthema, nicht nur in Deutschland. Deshalb wurde das Stück auch kurzfristig ins Programm genommen. Diese Kurzfristigkeit merkt man den Schauspielern in keinem Moment an; ihr Zusammenspiel ist nahezu perfekt, und man nimmt den beiden ungleichen Paaren jede stereotype Handlung und Denkweise sofort ab. Abgerundet wird das Stück durch die gelungenen Auftritte des "Heimatchors", der in einprägsamer Weise "die" Deutschen beschreibt - in ihren Ängsten und Hoffnungen, und in ihren Eigenarten. Da kann einem schonmal das Lachen im Halse stecken bleiben." (Maren Iben, Blick)

© Jochen Quast

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